Wenn ich den See seh’…

…brauch ich kein Meer mehr. Dieser Gedanke kommt einem in den Sinn, wenn man am Ufer des Lake Malawi steht – man sieht das gegenüberliegende Ufer nicht und kommt sich wirklich vor wie am Meer.

Am Freitag wurde auch in Malawi das Ende des Ramadan gefeiert, sodass das GIZ Country Office kurzerhand Donnerstag und Freitag geschlossen wurde. Den Zwangsurlaub nutzten wir zusammen mit zwei Kollegen, um an den Lake Malawi zu fahren.

Am Donnerstag Morgen starteten wir von Lilongwe in Richtung Nkhata Bay über das Landesinnere. Fasziniert waren wir von den vereinzelten Bergen, dem dichten Pinienwald, den wir so nicht in Malawi erwartet hätten, und den vielen, vielen Leuten, die zum Großteil zu Fuß von einer Siedlung zur anderen unterwegs waren (Städte oder Dörfer kann man das wahrlich nicht nennen). Diese stupide eigenartige Völkerwanderung erinnerte uns arg an „The Walking Dead“ und entlockte Tina den Kommentar „Zum Glück sind das keine Zombies.“  Die Straße war gut ausgebaut, dennoch musste man sich in Acht nehmen, nicht mit Ziegen, Menschen, Schafen, Hühnern, rasenden Minibussen oderTanklastzügen zu kollidieren.

IMG_2300 IMG_2295  IMG_2299

Nach etwa sechs Stunden (Streckenabschnitt Lilongwe G – Nkhata Bay B) erreichten wir unser erstes Ziel, die Njaya Lodge, wo wir auf unsere Kollegen samt Verwandtschaft trafen. Nkhata Bay wird in unserem Reiseführer als „vermüllt und aufdringlich“ beschrieben; nicht ganz unzutreffend. Die Njaya Lodge liegt aber etwas abseits des Dorfkerns recht idyllisch über dem Lake Malawi über einer hübschen Bucht mit Kiesstrand und ist eine Budget Unterkunft – ganz ok, wenn man günstig unterkommen will, könnte aber etwas gepflegter und sauberer sein. Für unser Familienzimmer haben wir 50 $ die Nacht bezahlt, was völlig in Ordnung ist. Es gibt ein Restaurant, eine Bar, Billard und kostenfreies WIFI.

IMG_2323   IMG_2322 IMG_2326

Bei Gin Tonic warteten wir zum ersten und nicht zum letzten Mal auf unser Essen. Denn eins muss man in Malawi mitbringen, wenn man essen möchte – Zeit! Viel Zeit. Nehmt euch ein Buch mit. Besser zwei. Und Gesellschaftsspiele. Lernt Sprachen. Oder segelt um die Welt. Macht irgendwas, aber wartet nicht einfach nur aufs Essen. Das dauert.

Immer.

Und ist dann kalt.

Wie auch immer. Am nächsten Morgen (und ja, auch Frühstück kann dauern!) hüpften wir zunächst eine Runde in den glasklaren See, bevor wir ein kleines Boot bestiegen, das uns in die nächste Bucht brachte. Auf dem Weg sahen wir noch Fischadler, der sich genauso wenig zum Jagen animieren ließ wie wir uns zum Hüpfen von 5 m hohen Klippen. Die Kinder hatten jede Menge Spaß im Wasser, machten erste Schnorchelerfahrungen und waren kaum noch herauszubekommen. (Der See ist leider nicht bilharziosefrei, aber in nicht stehendem Gewässer ohne Schilf ist die Gefahr gering, sich anzustecken. Ach, und wenn schon – ein Hoch auf die moderne Medizin!)

IMG_2308  IMG_2314  IMG_2306  IMG_2320

Nach der obligatorischen Warterei aufs Mittagessen verbrachten wir auch den Nachmittag sehr entspannt am Strand und die Kinder beschossen die einheimischen Kinder zu deren Freude mit ihren Wasserpistolen (Völkerverständigung mal anders). Eines kann Malawi sehr gut: einen entschleunigen und sehr schnell entspannen, egal wie groß der Stress vorher war.

Nach einem ruhigen Abend packten wir am nächsten Morgen unsere Sachen und fuhren von Nkhata Bay ins etwa 40 km weiter südlich gelegene Chintheche (C auf der Karte), das vor allem wegen der feinen Sandstrände bekannt ist. Wir parkten am Chintheche Inn (Eintritt für Tagesgäste 500 Kwacha/ Person, wurde aber mit dem Essen verrechnet) und machten es uns am wunderschönen Sandstrand gemütlich. Diesen Strandabschnitt können wir wirklich nur empfehlen – sauber, ruhig, feinsandig und glasklares Wasser ohne blöde Wasserpflanzen. Traumhaft! Zu den Zimmern können wir nichts sagen, aber die zugänglichen Anlagen des angeschlossenen Campingplatzes waren in einem hervorragenden Zustand.

IMG_2343  IMG_2342  IMG_2341

Wir aßen dort noch gut zu Mittag (lange Wartezeit! Aber warmes (!) Essen) und fuhren dann weiter ins ca. 170 km entfernte Nkhotakota (D), wo wir vorher schon ein Zimmer in der Nkhotakota Safari Lodge reserviert hatten. Diese empfehlenswerte Lodge liegt an einem einsamen Strandabschnitt etwas südlich des Ortes am Ende einer Sandpiste. Saubere, geräumige Zimmer (wir schliefen in einem Deluxe-Chalet, ca. 50 € pro Nacht) direkt am feinen weißen Sandstrand, Sonnenuntergang und herumturnende Affen inklusive. Definitiv ein Ort, den wir nochmal für mehr als eine Nacht besuchen wollen.

IMG_2347  IMG_2348

Für den Sonntag morgen hatten wir eine Walking Safari im Nkhotakota Wildlife Reserve gebucht. Wir sammelten unseren Guide direkt in der Lodge ein und fuhren dann mit ihm über Sand- und Geröllpisten an dutzenden „Give me my Kwacha!!!“-schreienden Kindern (Antwort unserer Kinder: NOOOOOO!!) vorbei zur Bua River Lodge, wo wir das Auto abstellten. Mit einem zweiten, diesmal bewaffneten, Guide ging es ab ins Gebüsch und in Richtung Bua River, da er einer der wenigen Flüsse in Malawi ist, der auch während der Trockenzeit nicht austrocknet und Tiere anlockt. Wir waren kaum 10 Minuten gelaufen, da lief uns eine ganze Herde Elefanten vor die Nase. In respektvollem Abstand konnten wir etwa 20 Tiere beobachten, die den Fluss überquerten. Anscheinend haben wir riesiges Glück gehabt, die Elefanten zu sehen – unsere Kollegen in der Woche davor waren etwa 5 Stunden im Busch unterwegs, ohne ein Tier zu Gesicht zu bekommen.

IMG_2350 IMG_2355 IMG_2354

Um die Elefanten nicht zu stören, liefen wir einen kleinen Umweg zu einer anderen Flussstelle, wo wir direkt mehrere Krokodile beobachten konnten, die in der Sonne lagen. Beeindruckend! Die Guides meinten, mehr Tiere gäbe es auch momentan gar nicht zu sehen, sodass wir den Walk recht schnell abbrachen und zur Safari Lodge zurückfuhren. Läuft man von der Safari Lodge ca. 400 m weiter am Strand entlang, kommt man zur zugehörigen Pottery Lodge, die ebenfalls ein schönes Restaurant direkt am Strand bietet. Das Essen dort fanden wir besser als in der Safari Lodge, also auf jeden Fall beide Restaurants ausprobieren.

IMG_2366 IMG_2364 IMG_2370 IMG_2369

Nach dem Mittagessen traten wir dann den Weg Richtung Lilongwe an, um noch im Hellen nach Hause zu kommen. Ist es tagsüber schon teilweise recht anstrengend, den Zombies Leuten und Lastern auszuweichen, ist es bei fehlender Straßenbeleuchtung im Dunkeln noch um einiges schwieriger und sollte möglichst vermieden werden. Wir machten noch einen kurzen Abstecher in Salima (F), und kamen pünktlich zum Sonnenuntergang wieder in Lilongwe an.

IMG_2383 IMG_2382 IMG_2377

~ von Tina - 2013/08/11.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Kat-ventures

A blog about living in Malawi and travelling.

... noch ein Make up Blog ...

A blog about living in Malawi and travelling.

InnenAussen

A blog about living in Malawi and travelling.

%d Bloggern gefällt das: